O König von Preußen

Anonym, 19. Jhdt.
Notenbild
1. O König von Preußen, du großer Potentat!
Ich bin deines Dienstes so überflüssig satt!
Was fangen wir nur an in diesem Jammertal,
allwo ist nichts zu finden als lauter Not und Qual?
2. Und kommt das Frühjahr an, da ist die große Hitz.
Da muss man exerzieren, dass ei'm der Buckel schwitzt.
Da muss man exerzier'n vom Morgen bis Mittag,
und das verfluchte Leben, das währt den ganzen Tag.
3. Vom Exerzieren weg geht's wieder auf die Wacht.
Kein Teufel tut nicht fragen ob man gefressen hat!
Kein Branntwein in der Flaschen, kein weißes Brot dabei;
ein schlechtes Tabak rauchen, das ist der Zeitvertreib.
4. Ihr Herren, nehmt's nicht Wunder, wann einer desertiert.
Wir werden wie die Hunde mit Schlägen strapleziert!
Und bringen sie uns wieder, sie henken uns nicht auf;
das Kriegsrecht wird gesprochen: Der Kerl muss Gassen lauf!
5. Und wann wir Gassen laufen, so spielet man uns auf.
Mit Waldhorn und Trompeten, da geht es tapfer drauf!
Da werden wir gehauen von einem Musketier;
der eine hat Bedauern, der andre gönnt es mir.
6. Und werden wir dann alt, wo wenden wir uns hin?
Die Gesundheit ist verloren, die Kräfte sind dahin!
Und endlich wird es heißen: Ein Vogel und kein Nest!
Geh' Alter, nimm den Schnappsack, bist auch Soldat gewest!
Aus Richards Liederseiten: www.liederseiten.de