Die Brombeern

Anonym, 19. Jhdt.
Notenbild
1. Es wollt ein Mägdlein früh aufstehn, drei viertel Stund vor Tag.
Wollt in dem Wald spazieren gehn, ja ja ja spazieren gehn,
wollt Brombeern brechen ab.
2. Und als sie in den Wald nein kam, da kam des Jägers Knecht:
„Ei Mägdlein, scher dich aus dem Wald, ja, ja, scher dich aus dem Wald,
meinem Herrn, dem ist's nicht recht!”
3. Und als sie's ein Stück weiter kam, da kam des Jägers Sohn:
„Ei Mägdlein, setz dich nieder, ja, ja, setz dich nieder,
zupf dir dein Körblein voll.”
4. „Ein Körblein voll, das brauch ich nicht, eine Handvoll ist genug.
In meines Vaters Garten, ja, ja, in dem Garten,
da wachsen Brombern g'nug.”
5. So schön wie braune Beeren sah sie seine Äuglein stehn.
Wer kann im grünen Walde, ja, ja in dem Walde
den Beeren widerstehn?
6. Und als drei viertel Jahr vergangen war'n, die Brombeern wurden groß,
da hatt' das schwarzbraun Mägdelein, ja das schwarzbraun Mägdelein
ein Kind auf ihrem Schoß.
7. Sie sah es mit Verwundrung an: „Ei ei, was hab ich den getan?
Kommt das wohl von den Brombeern her, ja, ja von den Brombeern her,
die ich gepflücket hab?”
8. Drum, wer ein ehrliches Mädel will hab'n, der schick' sie nicht in'n Wald.
Denn im Wald, da wachsen die Brombeern, ja, ja, ja die Brombeern,
und die reifen alsobald.
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